Kimber Kable   Die Klarheit im Fokus       von Delimor Beric, Holger Biermann, stereoplay

Es lebe die Evolution. Ray Kimber, der Meister des geflochtenen Kabelzopfs, hat mit seiner Select-Linie und dem
Kassenschlager PBJ (stereoplay 9/01) schon etliche Erfolge feiern dürfen.
Nun  legt er nach.  Das günstige Tonik  das PBJ beerben, und  durch die Entwicklungsarbeit  am Select KS 1030
ergaben  sich  Fortschritte,  die   Kimber   auch   den   kleineren   Select-Modellen   zukommen    lassen    wollte.
Ergebnis:    aus  KS  1010   wurde  KS 1011 und    aus  KS  1020  das  1021.  Die  Vorzüge  der     Verflechtung:
Diese Bauform senkt die Induktivität (ohne wie beim simplen Verdrillen die Kapazität hochzutreiben)
und erschwert ohne großen Abschirm-Aufwand Einstreuungen von außen.
Natürlich beäugten wir  das Tonik besonders genau. Der  firmeninterne Mitbewerber des Redaktions-(Einsteiger-)
Favoriten PBJ erschien aber erst einmal etwas sparsam:  Auch seine Leiter sind verflochten,  aber seine Isolation
ist aus Polyethylen - statt des besseren Fluorocarbon beim PBJ.
Die  Leiter  sind  von  gleicher  Qualität,  aber  die  fantastischen  tecker des PBJ fehlen; die des Tonik sind nicht
geschlitzt (weniger Kontakt) und haben keinen ultraharten Rhodium-Überzug, sind also deutlich Kratzer-anfälliger.
Eigentümlich  ist  auch:  Beim  Tonik  gibt  es  zwei  Plus- und einen Minus-Leiter beim langjährig bewährten PBJ
hingegen einen Plus- und zwei Minus-Leiter.
Bei  den  Modellen  der  Select-Reihe  stellt  sich diese Frage gar nicht - sie haben zwei Mal zwei (je für Plus und
Minus)   Leiter.  Diese  schlängeln  sich  -  bei  gutem  Licht  sogar durch  den  Schlauch  zu  sehen  -  um  einen
antistatischen Gummikern, der Resonanzen dämpft und die verschiedenen Leiter exakt auf Position hält.
Kimbers Edel-Verbinder glänzen mit teurer Fluorocarbon-Isolierung und den exzellenten SChraubklemmen des deutschen
Steckerpapstes Wolfgang B. Thörner (WBT).
Die Hierarchie in der Select-Reihe lässt sich unzweideutig am Leitermaterial ablesen:
Das KS 1011 hat flachkupferleitungen für Plus und Minus, das KS 1021 hat als Plus zwei massive Rundsilberleiter
und zwei Flachkupferstränge als Masse. Und das große KS 1030 protzt mit vier Silberleitern.
Die  Veränderungen,  die  aus  der  Forschung zum KS 1030 für das KS 1011 und das KS 1021 resultierten, ist die
nochmals  verbesserte,  exaktere  Positionierung  der  Leiter  zu  einander.  Vor   dem  Hintergrund  des   eindeutig
besseren   Abschneidens  des KS 1011  gegenüber   dem  KS 1010  (stereoplay 9/01)  in   den  Hörvergleichen  ist
dieses Detail offenbar von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Familienbande à la Kimber
(von oben nach unten): KS 1011, KS 1021, KS 1030 und unten das günstige Einsteigerkabel Tonik.

Das Tonik musste sich natürlich zuerst gegenüber dem PBJ beweisen und überraschte: Es klang deutlich sanfter und
ruhiger. Von der beeindruckend kraftvollen, hochpräzisen Spielweise des PBJ war hier nichts zu spüren.
Eher der Hang des Tonik, den oft etwas nervig-kantigen Klang von Einsteiger-Anlagen mit einer warm-stimmigen
Wiedergabe gekonnt zu schönen. Sicherlich ein gutes Kabel, doch unterm Strich - auch vor dem Hintergrund des sehr
ähnlichen Preises - kann das überrragende PBJ doch einiges mehr.
Auch das KS 1011 überraschte. Denn seinen Vorgänger KS 1010, dem wir noch vor einem Jahr ein superbes Zeugnis
ausstellten, überflügelte die neue Kimber-Strippe mühelos. Die Hochtonauflösung war noch feiner, die Darstellung von
Einzelinstrumenten noch plastischer, noch hautnaher. Und alles wirkte deutlich lockerer und geschmeidiger.
"Kunststück", werden die Skeptiker sagen, "kostet ja auch einiges mehr". Stimmt.
Aber so eine Vorstellung ist auch etliche Euro mehr wert.

Nochmals 500 Euro mehr kostet das KS 1021, aber wer so viel
Geld für Kabel zu investieren bereit ist, wird vom 1021 nicht
enttäuscht. Vor allem seine leichtfüßige Hochtonwiedergabe
und die hohe Präzision machten schnell deutlich, dass der
Einsatz der massiven Silberleiter noch einmal mehr Durch-
sichtigkeit und höhere Präzision bringt.
Auch die Stabilität in der Darstellung großer Aufnahmeräume
gewann noch einmal deutlich hinzu.
War schon das KS 1021 ein Hammer, so konnte das
KS 1030 noch eine Schippe drauflegen.
Mit seiner Feinauflösung, die ihresgleichen sucht, verwandelte
Kimbers Top-Modell gute Aufnahmen zu wahren Erlebnisreisen

 

in Sachen Detailreichtum und plastischer Darstellung.
Wahnsinn, welche Kraft und wieviel Schattierungen die
Stimmen auf einmal hatten. Wie fein mit dem 1030 ein
Beckenschlag ausschwang, welch unfassbare Flut an
Information in einer Aufnahme mit großen Orchester
verborgen war und wie natürlich, wie fein ausgewogen
Violinen klingen können.
Dieses Kabel ist eine klangliche Offenbarung und an
(niemals anstrengender) Transparenz und packender
Präzision kaum zu überbieten. Auch von Wire Worlds
genialem Gold Eclipse III+ (stereoplay 6/01) nicht.
Kimbers Select KS 1030 trägt deshalb zu Recht
stereoplays neue Refernzkrone für NF-Kabel.

Familien-Charakteristik: Kimbers neue Verbindungen
sind von geradezu erfrischender Offenheit, Detailfreude
und Transparenz.
 

Einzig das Tonik neigt ein wenig zum Verrunden, zum Freundlich-Ausgewogenen. Das Überpräzis-Vordergründige, das
Kimber-Verbindungen früher gern nachgesagt wurde, gehört - zumindest im NF-Bereich - ganz eindeutig
der Vergangenheit an.
Die Modelle der Select-Linie sind fraglos mit das Beste ihrer jeweiligen Preisklasse - gerade weil sie so aufregend
natürlich klingen. Familienfarbe: Grün.
  

FAZIT

Wieder einmal bestätigt sich die These, dass bei ernsthaften Herstellern - und dazu gehört Kimber Kable - der
Klang mit mehr Aufwand immer besser wird. Für die Top-Kabel heißt das: sogar extrem gut.
Das Wire Gold Eclipse II+, seit langer Zeit stereoplay-Referenz, wurde ...mühelos überrundet - Kimbers KS 1030
kommt erstmals auf 9 von 10 möglichen stereoplay-Punkten.

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