Ray Kimber trieb die Kabel-Kunst auf die Spitze. Und AUDIO fuhr voll drauf ab.

LUXUSLINER

Netz-, NF- und Lautsprecherkabel von Kimber, um 26450 Euro

Von Lothar Brandt, Geschäftsführender Redakteur

Manchmal will man es einfach nur genau wissen. Mal so richtig in die Vollen gehen, ohne Skrupel bezüglich des moralischen Mehrwerts für die Menschheit, ohne Rücksicht auf klassische Kosten-Nutzen-Rechnungen. So geschehen, als es AUDIO nach einer ultimativen Verkabelung von der Netz-Dose bis zur  Box gelüstete. Viele High Ender kennen die Last hinter dieser Lust: jenes unterschwellige Gefühl, dass das exzellente Equipment mit einem perfekt abgestimmten Kabel-Set vielleicht doch noch einen Tick besser klingen könnte.

      

Versorgen: Mit dem Kimber Powerkord 14
Palladian holt man sich verlustfrei Strom aus dem Netz.
1,2 Meter kosten dralle 1750 Euro, jede weitere
60 Zentimeter 50 Euro.
Der Kaltgeräte-Stecker der Kimber-Tochterfirma
Wattgate bringt besten Kontakt, der massige
Metallzylinder schirmt vor HF und birgt Bauteile
zur Stromreinigung.

 

Verbandeln: Das Reinsilber-Cinch-Kabel KS-1030 mit
den feinsten WBT-Steckern (unten) stiftet harmonische
Verbindungen.
Ein Stereo-Meter kostet 2400 Euro (jede weiteren
50 Zentimeter 700 Euro).
Der Walnuss-Holzblock führt das Kabel nur und
enthält keinerlei aktive Bauteile.

 

 

Nun bietet der Weltmarkt hier ettliche , zum Teil astronomisch teure Ensembles an. Nach eingeschaltetem Anti-Voodoo-Filter bleiben allerdings nicht viele interessante Anbieter übrig. Einer davon ist sicher Kimber Kable aus Ogden/Utah. Denn die US-Amerikaner präsentieren neben bestens beleumundeten Verbindern der Ein- und Aufsteiger-Klasse auch eine „Select-“Serie, in der das ganze, in 20 Jahren erworbene Know-How eines beeindruckenden Forschungs- und Entwicklungsteams um Firmengründer Ray Kimber steckt. Während unser Schwesterblatt AUDIOphile in Ausgabe 3/02 die vergleichsweise bodenständigeren Vertreter der Linie begutachtete, griff AUDIO nach den Stars: den aus „Black Pearl“-Reinsilber gefertigten State-of-theArt-Strippen. Also spielten auf: das Cinch-Kabel KS-1030 (1 Meter für 2400 Euro), das XLR-Kabel 1130 (2500 Euro) und das Lautsprecherkabel KS-3038 (2x2,5 Meter, 14000 Euro, Nachfolger des Model 88 The Black Pearl). Dazu gesellten sich – schließlich sollte alles in der Adels-Familie bleiben – drei Netzstrippen Powerkord 14 Palladian, jede 1,8 Meter lang und 1800 Euro schwer. Eine schon leicht zitternde Hand addierte auf 24300 Euro.

Hierzu kamen dann noch einmal 1500 Euro für die an das 3038 angelehnten Kabelbrücken KS-9038 sowie fast schon moderate 650 Euro für ein viertes Netzkabel Powerkord 14 Gold (ohne den Palladian-Mantel, der auf dem Bild rechts oben zu sehen ist) – macht summa summarum 26450 Euro. Schließlich galt es vor dem endgültigen Test im AUDIO-Hörraum, mehrere Wochen lang vertraute Komponenten zu verbinden: den Plattenspieler Acoustic Signature Samba (dessen ja nicht signalverarbeitendes Netzteil mit dem „billigen“ Netzkabel auskommen musste) sowie die superbe Phono-Vorstufe Linn Linto, welche über das KS-1030 zum exzellenten Vollverstärker E-530 (Test ab Seite 154) aufschloss; der brillante SACD/CD-Player Accuphase DP-85 (AUDIO 9/01) kontaktierte über das KS-1130 einen symmetrischen Eingang des E-530, der wiederum per KS-3038 die extrem gut auflösenden Elektrostaten Martin Logan Odyssey (AUDIO 10/01) speiste. An deren Bi-Wiring-Terminal kam der erwähnte „Jumper“ KS-9038 zum Einsatz. Erstklassige Hardware also, die schon manche Kabel hart geprüft hatte.

 

 

DIE KIMBERS IM TEUTONEN-TEST

Aber noch nie galt es, mit einer Kombi wie den kostenintensiven Kreationen von Kimber aufzuspielen. Freilich, zum Test des Lautsprecherkabels Fadel Art „Streamline Duo“ (siehe AUDIO 5/02) war ebenfalls eine ganze Familienbande aufmarschiert, die einen ausgezeichneten – den bis dato besten – Job gemacht hatte. Doch die mehr als dreimal so teure, stolze US-Truppe („handcrafted with pride in the U.S.A.“) ließ die wackeren Franzosen im äußerst gründlichen – wenn Sie so wollen: teutonischen – Test merklich hinter sich. Die Ursachenforschung für die phänomenale Vorstellung der Kimbers mögen Physiker erledigen (denn die Kopierfreude des Wettbewerbs ließ Ray Kimber weitgehend verstummen, was die Ingredienzen seiner Schöpfungen angeht). Da ist zum Beispiel der extreme Aufwand für das Lautsprecher-Kabel: reinstes Silber als Leiter, V-Fluorocarbon als Dielektrikum, die patentierte „Varistrand“-Geometrie, ein Komposit-Werkstoff namens X38R, der akustisch dämpfen und elektrisch schirmen soll, ein kunstvoll geflochtenes Garn als Geheimwaffe gegen elektrostatische Aufladungen – dies alles, was hier gar nicht en détail gewürdigt werden kann, schildert bei aller Marketing-Lyrik, die Homepage (www.kimber.de) recht manierlich. Ausführliche Würdigung bei AUDIO verdienen aber die musikalischen Leistungen des auch haptisch erstaunlich flexiblen Top-Ensembles. Das berühmte „Dies Irae“ aus Verdis Requiem, ein echter Heuler des klassischen Kolossalismus, hat kaum ein Dirigent mit derart Furcht einflößender Brutalität in die Rillen gewuchtet wie Georg Solti 1968. Der „Tag des Zornes“ brach mit solcher Vehemenz herein, dass die Kinnlade herunterklappte. Doch von wegen eilig zum Steller, um etwa die Last der Lautstärke von der Seele zu nehmen ! Nein, diese Konstellation nährte eine fast schon masochistische Lust, die unglaublich transparente, nie scharfe oder gar lästige Kraftmeierei bis zur Neige auszukosten.

 

             

 

Veredeln: Das XLR-Kabel KS-1130, die symmetrische Variante
des KS-1030 schöpft das oft überlegene Potenzial der
Drei-Pin-Verbindungen voll aus. Ein Klang-Ereignis.
Abschöpfende 2500 Euro kostet der Stereometer, für
50 Zentimeter mehr werden rund 760 Euro Aufpreis fällig.

 

 

Aber auch das krasse Gegenteil zelebrierten die Kimbers samt Zuspieler wonnevoll. Clara Haskil war eine ideale Mozart-Pianistin: Wie unvergleichlich zart, lyrisch, schnörkellos und klar konturiert die Rumänin Sonaten oder Konzerte des Götterlieblings spielte, wie schmerzhaft die Lücke zwischen wirklich großen Künstlern und durchschnittlichen Partitur-Vollstreckern gerade bei Mozart klafft, wurde krass deutlich. Superbes HiFi-Equipment – und die Kimbers gehören klar dazu – kann solche Erfahrungen vermitteln und damit den Himmel ein Stück näher rücken.

Zurück auf die Erde – sprich im AUDIO-Hörraum – durchliefen die Kimber Kabel einzeln und gemeinsam den Testparcours mit Bravour. Neben dem Referenzthron für NF- wie Lautsprecher-Kabel bleibt für dieses Dream Team die Erkenntnis: Einzeln sind sie stark. Gemeinsam scheinen Sie unschlagbar.

 

           Rot: musikalisch warm; Grün ausgewogen und neutral; Blau: präzise und analytisch

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